Quantenschach – Schach mal anders

Seit der Niederlage von Garri Kasparow gegen Deep Blue 1997 in New York wissen wir, dass die Computer uns Menschen von der Spielstärke her überlegen sind, weil sie unseren Vorteilen Intuition und Verstand pure Rechenkraft entgegensetzen, gegen die wir einfach nicht mehr ankommen. Diverse Regeländerungen sind immer mal wieder im Gespräch, als erfolgreiche Alternative zum „normalen“ Schach hat sich Schach960 (Fischer-Random Schach) etabliert.

Der spanische GM Jose Cuenca stellt in seinem Beitrag auf chess24 (Link: https://chess24.com/de/lesen/news/quantenschach-eine-neue-variante-die-dabei-hilft-physik-zu-verstehen) eine neue Variante vor: Quantenschach. Hierbei führen alle Figuren (außer die Bauern) „Quantenzüge“ aus und gelangen in eine „Superposition“, dabei entsteht eine „Verschränkung“. Klingt erst einmal ziemlich kompliziert. Hier ein Auszug aus dem oben genannten Beitrag von Cuenca:

Alle Figuren mit Ausnahme der Bauern können entweder einen normalen oder einen Quantenzug machen. Mit einem Quantenzug gelangt die Figur in eine „Superposition“ mit zwei möglichen Ausgängen: eine 50 %-ige Chance, dass sie bis zu zwei Züge hinter einander machen kann, und eine andere 50 %-ige Chance, dass die Figur überhaupt nicht ziehen wird (z.B. , wenn man seinen König von e8 nach e7 ziehen möchte, weiß man nicht, ob er wirklich auf e8 oder e7 landen wird). (Cuenca)

Wer das Problem der Superposition noch nicht erfasst hat, dem sei zur Veranschaulichung das Gedankenexperiment „Schrödingers Katze“ empfohlen (steht auch im Beitrag auf chess24). Und was ist mit der Verschränkung?

Dieses Konzept (der Quantenzüge, Anm. d. Red.) erlaubt es den Figuren, sich zu verflechten (oder zu verschränken). Hat man Figuren in Superposition, können Situationen entstehen, in denen ein Feld von zwei verschiedenen Figuren gleichzeitig besetzt wird. Wenn das passiert, wird eine Messung (nennt man auch Konflikt-Messung, Anm. d. Red.) durchgeführt, um herauszufinden, welche Figur auf dem fraglichen Feld zu stehen kommt. (Cuenca)

 

Bei diesen Regeln ist es vollkommen logisch, dass das Mattsetzen des gegnerischen Königs nicht von Pappe ist. Im Fachjargon sagt man: Er muss 100 % Matt sein. Für nähere Infos zu den Regeln kann ich den Beitrag der Wikipedia empfehlen (Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Quantenschach#Regeln_und_Unterschiede_zum_klassischen_Schachspiel)

Ihr wundert Euch vielleicht, warum ich mich relativ kurz halte und mich überwiegend auf Zitate beschränke. Das hat folgenden einfachen Grund: Ich habe die Regeln selber noch nicht wirklich verstanden und finde sie ziemlich kompliziert. Quantenschach ist eben wie Quantenphysik 🙂

In den Regeln liegt meiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen Schach und Quantenschach. Die Schachregeln sind relativ einfach und jedermann zu erklären. Das Schwierigste ist die „En-Passant-Regel“, aber die versteht man auch nach einigem Üben. Wie will ich hingegen einem Kind Begriffe wie Superposition, Verschränkung und 100 % Matt erklären? Das ist selbst für Erwachsene schwierig.

Nichtsdestotrotz bietet Quantenschach die erfreuliche Möglichkeit, sich mit der Physik auseinanderzusetzen und ihr vielleicht unter dem Deckmantel des königlichen Spiels näherzukommen. Interessante Infos und Videos dazu findet ihr in Jose Cuencas Beitrag auf chess24 

Auf Youtube ist Quantenschach ziemlich populär. Filmemacher und Schauspieler Paul Rudd spielt in einem Video gegen den Physiker Stephen Hawking eine Partie Quantenschach. Als Erzähler fungierte kein Geringerer als Keanu Reeves. Prominente Besetzung also, dies brachte dem Video bereits in der ersten Woche auf Youtube mehr als 1,6 Mio. Aufrufe.

Mal sehen, wie sich das Quantenschach entwickelt. Erfinder Chris Cantwell, ein Informatik-Student der University of California, möchte im nächsten Jahr ein kommerzielles Quantenschach-Videospiel veröffentlichen.

Fazit: Quantenschach bietet sicher Abhilfe in Sachen „Künstliche Intelligenz dominiert menschliche Intelligenz“ (ähnlich wie Fischer-Random Schach), kann aber meiner Meinung nach dem „normalen“ Schach keine Konkurrenz bieten, da die Regeln zu komplex sind.

 

 

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