Carlsen-Bezwinger Jens-Erik Rudolph: „Irgendwann war ich dann auch „im Tunnel“ und habe gar nichts mehr vom Drumherum mitbekommen.“

Heute vor 4 Wochen spielte der Weltmeister Magnus Carlsen anlässlich des 70. Geburtstages der ZEIT an 70 Brettern Simultan. Unter den Teilnehmern waren auch prominente Schachfans wie Peer Steinbrück und Felix Magath. Carlsen ließ sich davon nicht beeindrucken, im Gegenteil: Er gewann den Wettkampf deutlich mit dem Ergebnis 68:2. Doch einer konnte den Norweger schlagen: Der Schachbuchverleger Jens-Erik Rudolph aus Hamburg.

 

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Magnus Carlsen vs. Jens-Erik Rudolph Foto: Julia Keltsch für DIE ZEIT

Der Held des Carlsen-Simultans hat eine ELO-Zahl von 1981 und spielt für den Verein Barmbeker SK 1926 e. V. in der Hamburger Stadtliga. Er ist für mich kein Unbekannter, für den Schach-Ticker habe ich einige Bücher aus seiner Schachklassiker-Reihe rezensiert.

 

Anlässlich seines großen Sieges gegen den Weltmeister führte ich mit Jens-Erik Rudolph ein Interview über den großen Tag, die Vorbereitung auf das Duell gegen den Champion, den Partieverlauf, die Informatik – der Hamburger ist studierter Computerwissenschaftler – und vieles mehr. Aber lest am besten selbst!

 

Frage: Herzlichen Glückwunsch, Jens-Erik! Du hast als Einziger den Weltmeister beim Simultan in Hamburg am 20.02.2016 besiegt. Es war bestimmt die Partie Deines Lebens, oder?

Antwort: In ca. 40 Jahren Turnierschachpraxis habe ich schon einige schöne Partien produziert, neben mindestens ebenso vielen katastrophalen Patzern. Meine bisher größten Erfolge liegen aber schon weit zurück. Ein Sieg gegen einen FM auf einem Open ist nun beinahe 25 Jahre alt. Auch die Erringung des Vereinsmeistertitels beim Barmbeker Schachklub im Jahre 2008  – Barmbek ist übrigens der Stadtteil von Hamburg, in dem der bekannte Schachspieler und Altkanzler Helmut Schmidt geboren wurde – ist schon fast verjährt.  Aber natürlich kann keine meiner früheren Partien mit dem (Schwarz-)Sieg gegen den amtierenden Schachweltmeister bzw. den vermutlich stärksten Spieler aller Zeiten mithalten, auch wenn es „bloß“ eine Simultanpartie war.

 

Frage: Gegen welchen FM hast Du auf welchem Open gewonnen? War es eine Glanzpartie?

Antwort: Das war 1992 auf dem Wichern-Open in Hamburg gegen FM Rüdiger Breyther (ELO 2325). Er war mein Vereinskollege in meinem früheren Verein und ein großes Vorbild für mich. Als extrem starker Positionsspieler war er kaum zu bezwingen. Ich hatte das Glück, dass ich meinen Königsangriff mit einer netten Taktik abschließen konnte (die Partie zum Nachspielen findet ihr am Ende des Interviews, Anm. d. Red.). In der folgenden Vereinsmeisterschaft hat er die wahren Kräfteverhältnisse dann wieder klargestellt.

 

Frage: Hast Du bereits vor der Carlsen-Partie an einem Simultan teilgenommen oder war das Duell gegen Magnus das erste in einem derartigen Wettkampf?

Antwort: Simultanerfahrung konnte ich bereits im Jahre 2008 gegen WGM Marta Michna (ELO ca. 2400) und im Jahre 2005 gegen GM Alexei Shirov (ELO ca. 2700, damals Platz 15 in der Welt) sammeln. Gegen Marta Michna konnte ich gewinnen, aber gegen Shirov habe ich verloren, nachdem ich einzügig die Qualität eingestellt hatte. Als er zu meinem Brett kam, hatte ich gerade den ursprünglich geplanten Zug verworfen. Schnell machte ich dann einen vermeintlich harmlosen Abwartezug, welcher sich dann als fataler Fehler herausstellte. Aber hieraus habe ich gelernt und gegen Magnus Carlsen versucht, für solche Fälle möglichst immer einen Plan B zu haben.

 

Frage: Was genau meinst Du mit Plan B?

Antwort: Im Gegensatz zu einer normalen Turnierpartie kann man sich beim Simultan nicht selbst die Bedenkzeit einteilen. Man muss immer dann seinen Zug machen, wenn der Simultanspieler während seiner Runde zu einem ans Brett tritt. Deshalb habe ich meine normale Vorgehensweise bei der Berechnung der Züge etwas angepasst. Wie in einer Turnierpartie habe ich zwar zunächst die Kandidatenzüge ermittelt und intuitiv ein vorläufiges Ranking erstellt, aber dann die Berechnung des ersten Kandidatenzuges so frühzeitig abgebrochen, dass noch der zweite (oder dritte) Kandidat angesehen werden konnte. Hatte ich dann zwei spielbare Züge, konnte ich beruhigt meinen Favoriten ausgiebiger analysieren. Sollte kurzfristig damit noch ein Problem auftauchen, hatte ich ja eine – halbwegs – geprüfte Alternative an der Hand.

 

Im 19. Zug habe ich mich z. B. dazu entschlossen, seinen Springer b5 gegen meinen Läufer d7 zu tauschen, war mir aber nicht sicher, ob ich den Läufer nicht besser für den Angriff am Königsflügel behalten sollte. Bevor ich alle Untervarianten im Detail berechnet habe, nahm ich aber erst einmal 19…Tc8 als Notfallplan unter die Lupe, bevor ich zu meinem Hauptzug zurückkehrte. Diese Methode hat sich zumindest bis zum ca. 35.-40. Zug sehr gut bewährt. Nachdem dann aber viele Partien bereits beendet waren, kam der Weltmeister immer schneller an das Brett zurück. Da reichte die Zeit bald kaum noch für die Analyse eines einzigen Zuges. Zum Schluss war es dann sogar Schnellschach.

 

Frage: Eine Simultanpartie gegen den Weltmeister ist für alle Schachenthusiasten ein Traum. Wie lief eigentlich das Bewerbungsverfahren ab?

 

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Jens-Eriks Brett vor Beginn der Partie Foto: Jens-Erik Rudolph

Antwort: Fünf Teilnehmer wurden durch die DIE ZEIT vorab ausgewählt, u. a. Felix Magath und Peer Steinbrück. Für die übrigen Plätze konnte man sich online bewerben und kam dann in eine große Lostrommel. Die Wahrscheinlichkeit für eine Teilnahme beim Carlsen-Simultan lag für die Bewerber bei unter 5 Prozent, denn es gab ca. 1500 Interessenten für 65 freie Plätze. Man musste vor der Abgabe der Bewerbung außerdem als Qualifikationsnachweis eine kleine Schachaufgabe – Matt in zwei Zügen – auf der Seite der ZEIT-Online lösen.  Noch vor dem Spieltag waren sogar die Zuschauerplätze restlos ausgebucht, es gab also ein riesengroßes Interesse an der Veranstaltung.

 

Frage: Wie hast Du Dich auf das Simultan gegen den Champion vorbereitet?

Antwort: Zunächst einmal habe ich mich riesig darüber gefreut, überhaupt ausgewählt worden zu sein. Ich empfand es als große Ehre gegen den amtierenden Weltmeister antreten zu dürfen. In welcher anderen Sportart ist so etwas überhaupt möglich für Amateure? Meine einzigen persönlichen „Weltmeister-Erfahrungen“ hatten sich zuvor auf die Zuschauerrolle beschränkt. Zunächst beim TV World Cup 1982 in Hamburg mit Weltmeister Anatoli Karpow und Ex-Weltmeister Boris Spasski. Ebenso beim Trainingsmatch zwischen Garri Kasparow  und Robert Hübner (Juni 1985, ebenfalls in Hamburg), welches ca. 4 Monate nach dem abgebrochenen ersten WM-Kampf gegen Karpow stattfand. Im Oktober 1985 begann dann das zweite Match, welches Kasparow mit dem Titelgewinn beendete.

 

Meine eröffnungstheoretische Vorbereitung vor der Partie fiel eher spärlich aus. Lange Theorievarianten wollte ich vermeiden, dabei konnte ich nur schlecht aussehen. Ich entschied mich daher für 1…g6 gegen alles (Moderne Verteidigung). Allerdings rechnete ich nur mit einem weißen Aufbau mit e4, d4, und Sc3, worauf ich einen eher ungewöhnlichen Plan vorbereitet hatte. Nach dem ersten Partiezug 1.c4 war dieser jedoch schon durchkreuzt, vielleicht ganz gut so. Wir landeten dann mit Zugumstellung in einem Königsinder, den ich normalerweise überhaupt nicht spiele. Meine sonstige schachliche Vorbereitung bestand aus einer verlorenen Partie im Mannschaftskampf am Vorabend sowie dem nächtlichen Ärger über meinen Patzer.

 

Am großen Tag bin ich dann spät aufgestanden, habe zur kämpferischen Einstimmung ein wenig Heavy Metal gehört (Nightwish) und bin dann mit dem Rad zur Speicherstadt am Hafen gefahren. Keine Ahnung, ob davon etwas hilfreich war, jedenfalls war ich zu Spielbeginn überraschend locker und gar nicht nervös.

 

Frage: Klingt ja nicht gerade nach einer perfekten Vorbereitung, dennoch konntest Du dich gut motivieren mittels Rockmusik. Machst Du das eigentlich öfters vor deinen Partien?

Antwort: Da in Hamburg die Punktspiele unter der Woche am Abend (ab 19 Uhr) stattfinden, bleibt neben der Arbeit meist wenig Zeit zur Vorbereitung bzw. zum Musik hören vor den Partien. Also gehe ich meist total planlos und abgespannt in die Partien (geht meinen Gegnern hoffentlich ebenso). Aber vielleicht sollte ich mir zukünftig mehr Zeit vor den Partien nehmen. Bei Wochenendturnieren werde ich jedenfalls jetzt auf die bewährte Weltmeister-Vorbereitung umsteigen, scheint ja zumindest nicht zu schaden.

 

Magnus Carlsen hat sich übrigens vor dem Simultanspiel beim Fußball ausgepowert. Sein beeindruckendes 68:2-Resultat spricht jedenfalls dafür, dass sportliche Betätigung die geistige Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen kann.

 

Frage: Apropos Sport: Interessierst Du Dich für Fußball oder andere Sportarten außer Schach?

Antwort: Natürlich interessiere ich mich auch für die Sportart Nr. 1 in Deutschland. Ich glaube, seit 1972 – Uwe Seelers letzter Saison – habe ich keinen Bundesliga- bzw. Europapokalspieltag verpasst, meistens am Fernseher, gelegentlich auch im Stadion. Allerdings ist meine eigentliche Lieblingssportart Basketball, was ich früher auch selber gespielt habe. Heute bin ich aber nur noch in den Sitzsportarten Schach und Radfahren aktiv. P.S. Beachvolleyball ist auch eine schöne Sportart, in den letzten Jahren war ich häufiger als Zuschauer bei den Deutschen Meisterschaften am Timmendorfer Strand. Vielleicht treffe ich da ja diesmal auch Magnus Carlsen, in Norwegen trat er nämlich kürzlich mit seinem Landsmann Jon Ludvik Hammer im Rahmenprogramm bei einer Veranstaltung dieser Trendsportart auf. Wie folgendes Youtube-Video zeigt, betätigten sich beide schachlich, indem sie mit je einer Dame an der Seite Paar-Blitzschach spielten (Mann und Frau ziehen abwechselnd): http://www.youtube.com/watch?v=JI6TE97YdPE

 

Frage: Welches waren Schlüsselmomente in Deiner Partie? Und ab wann hast Du ernsthaft an den Sieg geglaubt?

Antwort: Es gibt einige Schlüsselmomente in der Partie, die sich auch durch die Stellungsbewertungen der Engines klar belegen lassen. Aber der erste wichtige Meilenstein der Partie war für mich der Zug 20…h5. Dabei bewertet der Computer diesen Zug gar nicht so viel besser, als die von mir ausgeschlagene Alternative 20…Dxb5, mit welcher ich immerhin einen Bauern gewonnen hätte. Die bewusste Ablehnung eines Bauerngewinns gegen den Weltmeister fühlte sich für mich aber schon  wie ein kleiner Sieg an, weshalb ich ab diesem Zeitpunkt viel befreiter aufspielte.

 

Der eigentliche Knackpunkt der Partie war dann aber der Zug 43…Sf5! Wenn ich auf die Verführung 43…Sxe4 hereingefallen wäre, dann wäre meine Stellung wahrscheinlich zügig zusammengefallen.

 

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Die Schlüsselstellung nach 43… Sf5! Foto: Olaf Töpper

 

So aber konnte mein Springer den weißen Bauernschutzwall überspringen und auf e3 einen mächtigen Stützpunkt einnehmen. Danach war die Partie zwar noch nicht gewonnen, aber ich war nun klar am Drücker. Wahrscheinlich blitzte in diesem Moment auch kurzzeitig der erste Gedanke an eine mögliche Sensation auf. Aber wirklich realistisch erschienen mir die Gewinnaussichten erst nachdem ich die gegnerische Dame erbeutet hatte (gegen Turm und Springer nach 49…Tg2+). Danach gab es zwar noch Tiefen (52…h3 statt 52…Sxf3) und Höhen (54…Sxf3) in der Partie, aber der deutliche Vorteil geriet zum Glück nicht mehr in Gefahr (die Partie zum Nachspielen inklusive Kommentare von Jens-Erik Rudolph findet ihr am Ende des Interviews, Anm. d. Red.).

 

Frage: Die Zuschauer haben im Laufe der Zeit bestimmt gemerkt, dass Du eine reale Chance hast, Magnus zu besiegen. Hat sich gegen Ende der Partie eine große Menschentraube an deinem Brett versammelt?

 

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Die Schlussstellung auf dem Brett inklusive Magnus‘ Autogramm auf g4! Foto: Jens-Erik Rudolph

Antwort: Es war eigentlich von Beginn an ein ziemliches Gewusel im Saal. Da zum Ende hin nur noch wenige Partien liefen, wurde das Gedränge an den restlichen Brettern natürlich immer größer. Aber die Stimmung blieb die ganze Zeit über entspannt und die Zuschauer haben mich auch in keiner Weise beeinträchtigt. Irgendwann war ich dann auch „im Tunnel“ und habe gar nichts mehr vom Drumherum mitbekommen.

 

Frage: Wie hat der Weltmeister reagiert, als er die Partie gegen Dich aufgab? Und hat er vielleicht sogar ein paar Worte mit Dir gewechselt?
Antwort: Der Weltmeister hat mir zur Aufgabe die Hand gereicht und sagte freundlich lächelnd: „Well done“. Da aber noch drei oder vier weitere Partien liefen, musste er auch gleich wieder weiter. Während einer seiner nächsten Runden habe ich mir dann noch drei Autogramme geben lassen: auf dem Partieformular, in ein mitgebrachtes Buch („Dreihundert Schachpartien“) aus der von mir herausgegebenen Schachklassiker-Buchreihe und auf dem Schachbrett, welches übrigens (inkl. Spielfiguren) von der Firma des Weltmeisters produziert und bereitgestellt wurde. Den kompletten Spielsatz durften alle Spieler behalten, jeweils mit einem Magnus Carlsen Schriftzug versehen.

 

Sofort nach der Partie wurde der Weltmeister noch von dem Moderator der Veranstaltung (Ulrich Stock von DIE ZEIT) interviewt, anschließend wurden auch mir ein paar kurze Fragen gestellt. Danach gab es glücklicherweise noch kurz die Gelegenheit ein gemeinsames Foto von Magnus Carlsen und mir zu machen. Da aber noch weitere Verpflichtungen auf den Weltmeister warteten, gab es keine weiteren Gesprächs- oder Analysemöglichkeiten.

 

Frage: Nach dem Sieg warst Du bestimmt total euphorisiert, oder? Wie hast Du den Abend danach verbracht?

Antwort: Erst einmal gab es eine kalte Dusche, bei der Fahrradfahrt durch den Hamburger Regen nach Hause, unterbrochen durch eine Einkehr in einem Restaurant. Nach ca. sechs Stunden Spielzeit – von 15 Uhr bis ca. 21 Uhr – war der Hunger entsprechend groß. Leider hatte der Regen während der Essenspause nicht aufgehört, aber wenigstens die signierten Trophäen überstanden die Heimfahrt trocken. Vielleicht auch wegen dieser Abkühlung habe ich den Erfolg erst so richtig am nächsten Tag realisiert, als die ersten Glückwunsche und sogar eine Interviewanfrage (aus Norwegen!) eintrudelten.

 

Frage: Interviewanfrage aus Norwegen, das klingt interessant. Welche Zeitung aus dem Land des Weltmeisters hat sich denn bei Dir gemeldet?

Antwort: Die Zeitung heißt „Verdens Gang“ (VG), was wohl soviel heißt wie „Lauf der Welt“. Der Journalist hat sich zum Glück auf Deutsch bei mir gemeldet, der Artikel ist aber natürlich auf Norwegisch erschienen: http://www.vg.no/sport/sjakk/denne-6-divisjonsspilleren-var-den-eneste-av-70-som-slo-magnus-carlsen/a/23621977/  . Keine Ahnung, was da so alles drin steht. Ein weiterer Artikel findet sich auf der norwegischen Schachseite „Matt & Patt“:  http://mattogpatt.no/2016/02/21/avslorer-slo-magnus-simultanen/ . In Norwegen kennt die Schach-Begeisterung offenbar keine Grenzen, wenn sogar über Simultanveranstaltungen des Weltmeisters im Ausland so ausführlich berichtet wird.

 

Frage: Nun mal zum Beruflichen: Von Hause aus bist Du Informatiker. Haben Dir Deine Schachkenntnisse bei der Informatik geholfen oder nutzten Dir umgekehrt Deine Informatikkenntnisse beim Schach?

Antwort: Ich denke, dass intensive Beschäftigung mit Schach dazu beiträgt, die Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Daher hat es mir beim Studium und auch schon in der Schule sicherlich geholfen, dass ich es gewohnt war stundenlang auf eine Schachpartie fokussiert zu sein. Ob die Informatikkenntnisse beim Schach helfen, kann ich auf die Schnelle gar nicht sagen. Ich glaube jedenfalls nicht, dass ich ohne Informatikstudium eine niedrigere ELO-Zahl hätte und auch für die Bedienung von Schachprogrammen ist sicherlich kein Studium erforderlich.

 

Bei dieser Frage fällt mir übrigens eine interessante Begebenheit ein. Während des Studiums hatte ich ein Projektseminar bei Dieter Steinwender belegt, welches die Erstellung einer Schachengine zum Ziel hatte. Meine Gruppe war für die Stellungsbewertung zuständig, andere Teilnehmer kümmerten sich beispielsweise um die Darstellung des Schachbretts oder den Zuggenerator, welcher alle legalen Züge in einer Stellung ermittelt. Herr Steinwender hat nun – wie ich erst hinterher festgestellt habe – auch beim Simultan gegen Magnus Carlsen mitgespielt und eine bemerkenswerte Remispartie erreicht. Zumindest dieses spezielle Seminar  könnte also möglicherweise eine Steigerung der Simultanspielstärke bewirkt haben. Interessanterweise spielen wir – in verschiedenen Vereinen – in diesem Jahr gemeinsam in der Hamburger Bezirksliga C.

 

Frage: Nach dem Sieg gegen den Weltmeister geht nicht so viel mehr. Bist Du schachlich noch ambitioniert und wenn ja, was sind Deine nächsten Ziele?

Antwort: Eigentlich dachte ich ja, dass ich den Freiplatz für das Kandidatenturnier erspielt hätte – ansonsten hätte ich mich ja gar nicht so anstrengen müssen 😉 –  aber die FIDE hat sich leider doch nicht bei mir gemeldet. Kurz habe ich dann überlegt, ob ich es wie Bobby Fischer nach 1972 machen soll, also auf dem Höhepunkt der Schach-Karriere von der Bildfläche verschwinden, aber inzwischen liegt schon wieder die erste Turnierpartie im Mannschaftskampf erfolgreich hinter mir. Für ein Open im Mai habe ich mich auch bereits angemeldet und vielleicht spiele ich dieses Jahr mal wieder bei der Hamburger Einzelmeisterschaft mit. Es geht also ganz normal weiter. Ich fürchte nur, dass meine Gegner nun motivierter sind als früher. Zumindest habe ich jetzt im Verein schon öfters den Begriff „Weltmeister-Bezwinger-Bezwinger“ gehört. Wahrscheinlich wurden bereits die ersten T-Shirts hergestellt 😉  Da das Simultan-Event auch für DIE ZEIT ein voller Erfolg war, hoffe ich außerdem auf eine Wiederholung der Veranstaltung. Da würde ich dann gerne meinen „Titel“ verteidigen.

 

 

Jens-Erik, vielen Dank für das Interview!

 

 

Bildnachweis

http://de.chessbase.com/post/magnus-carlsen-begeistert-hamburg

 

 

 

 

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