And the winner is … Sergej Karjakin!

Was war das für eine dramatische Schlussrunde in Moskau! Der Führende Sergej Karjakin spielte gegen den punktgleichen Zweiten Fabiano Caruana (beide 7,5 Punkte) – soweit alles klar. Wer gewinnt, fordert auf jeden Fall den Champion Carlsen im Herbst in New York heraus, das war auch eindeutig. Aber was ist bei einem Unentschieden?

Hier wäre die Partie Swidler – Anand das Zünglein an der Waage. Spielt Anand (7 Punkte) remis und schließt damit nicht zu den beiden Führenden auf, dann wäre seinerseits Karjakin bei einem Unentschieden gegen Caruana qualifiziert, da der Russe mehr Siege als der Amerikaner haben würde. Wenn aber Anand gewinnt, dann wären der Inder, Caruana und Karjakin (remis zwischen den beiden vorausgesetzt!) zu dritt punktgleich und Caruana hätte in diesem Falle die beste Wertung. Kurz zusammengefasst: Sergej Karjakin und Fabiano Caruana sollten in ihrer Partie auf jeden Fall die Option besitzen, auf Gewinn spielen zu können, falls ein Remis eben nicht reicht aufgrund des Anand-Ergebnis‘.

BERLIN, GERMANY - OCTOBER 12:  Sergey Karjakin is seen at the 2015 World Chess Rapid and Blitz Championship in Berlin on October 12, 2015 in Berlin, Germany.  (Photo by Sebastian Reuter/Getty Images for World Chess by Agon Limited)
Carlsen-Herausforderer Sergej Karjakin in Aktion Foto: Sebastian Reuter/Getty Images for World Chess by Agon Limited

Passend zu dieser Ausgangssituation wählte Caruana gegen 1. e4 die Sizilianische Verteidigung und es kam der Richter-Rauser-Angriff aufs Brett. In einer spannungsgeladenen Stellung griff Caruana im 36. Zug fehl:

Stellung nach 36… Te4?

Karjakin fand darauf folgendes tolles Turmopfer: 37. Txd5! exd5 38. Dxd5 Dc7 39. Df5 Tf7 40. Lxf7 De5

41. Td7+ Kf8 42. Td8+

An dieser Stelle gab Caruana zurecht auf: 42… Kxf7 43. Dh7+ Ke6 44. Dd7#

Ein würdiger Abschlussturnieres dieses Kandidatenturnieres! Sergej Karjakin (übrigens genauso wie Carlsen Jahrgang 1990) qualifizierte sich mit diesem Sieg erstmals für einen Weltmeisterschaftskampf. Kein Wunder, dass er nach der Partie sagte:

„Ich bin sehr froh und momentan vermutlich der glücklichste Mensch auf der Welt!“

Fabiano Caruana hingegen verpasste die Qualifikation für das Match gegen Carlsen. Aber er wird sicher noch einige Gelegenheiten bekommen. Der Amerikaner gehörte neben Giri (holte am Ende 7 Punkte) zu meinen Favoriten auf den Sieg des Kandidatenturnieres. Dieser Tipp ist zwar so nicht eingetreten, ich denke aber, dass Beiden die Zukunft gehört.

Wer die Feinheiten der Partie Karjakin vs. Caruana studieren möchte, dem sei das Video von Jan Gustafsson auf chess24 empfohlen.

Die anderen drei Partien standen im Schatten dieses Duells und endeten allesamt Unentschieden.

Zum Abschluss noch zwei kuriose Fakten:

  1. Sieben von acht Teilnehmern holten mindestens 50 %, also 7 Punkte. Topalow wurde mit 4,5 Punkten abgeschlagen Letzter.
  2. Anish Giri machte seinem Ruf als Remiskönig alle Ehre und spielte in 14 Runden 14-mal Unentschieden.

Für Sergej Karjakin heißt es: Nach dem Turnier ist vor dem Weltmeisterschaftskampf. Sein ganzes Training wird jetzt natürlich komplett auf das große Duell gegen König Magnus im Herbst ausgerichtet sein. Mal sehen, an welchen Turnieren er in nächster Zeit teilnimmt und wer seine Sekundanten im Match gegen Carlsen seien werden. Auf jeden Fall wird der Russe in den kommenden Monaten deutlich mehr im Fokus der (Schach-)Presse stehen als vorher.

Natürlich werden ab jetzt auch wieder Prognosen gestellt: Hat Karjakin gegen (den übermächtigen) Carlsen überhaupt eine Chance? Ich möchte mich daran nicht beteiligen, sondern dieses doch begeisternde Kandidatenturnier erstmal sacken lassen.

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