Happy Birthday, Garri Kasparow!

Heute wird der für viele beste Schachspieler aller Zeiten Garri Kasparow 53 Jahre alt. Julias Schachuniversum gratuliert herzlich! Garri Kasparow ist aber nicht nur am Schachbrett ein Phänomen, sondern auch außerhalb. Fragt man viele Nichtschachspieler, welchen Brettkünstler sie denn kennen würden, antworten viele: „Kasparow.“ Woran liegt das?

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Das Cover des Kasparow-Buches Foto: Amazon

Auf der einen Seite hat Garri einfach eine sehr charismatische Ausstrahlung. Nicht nur am Brett sieht er wie ein Tiger auf dem Sprung aus, sondern auch sonst. Auf der anderen Seite ist der 13. Schachweltmeister außerhalb der Turnierarena sehr aktiv. In der Politik gilt er als einer der größten Feinde des russischen Präsidenten Putin. Letztes Jahr im Dezember stellte Kasparow sein Buch „Warum wir Putin stoppen müssen. Die Zerstörung der Demokratie in Russland und die Folgen für den Westen“ in Berlin vor. Sogar die Morgenpost war vor Ort. Raymund Stolze berichtete für den Schach-Ticker über ein Interview, welches Kasparow (Titel: „Zug um Zug schlauer …“) dem Tagesspiegel gab. Eine Leseprobe des Kasparow-Buches gibt es hier.

Die Figur Kasparow, welche in New York (Vielleicht ist er beim WM-Kampf Carlsen – Karjakin der VIP-Gast?) und Kroatien (hat auch die kroatische Staatsbürgerschaft) lebt, ist aber nicht nur für Politikinteressierte reizend. Am 2. Juni ist er in Mönchengladbach zu Gast und hält dort um 20 Uhr in der Kaiser-Friedrich-Halle einen Vortrag zum Thema „What leaders can learn from chess!“. Manager lassen sich also in Führungsfragen vom (ehemaligen) Schachweltmeister höchstpersönlich unterrichten. Bessere Werbung und Anerkennung kann es für das königliche Spiel nicht geben! Im Anschluss an diese Veranstaltung spielt Kasparow gegen 15 Gegner Simultan.

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Duell der Legenden: Die Veteranen Short (links) und Kasparow (rechts) bei einer Analyse nach ihrer Partie. Foto: Austin Fuller

Schachfans wünschen sich natürlich, dass Garri nach seinem Rücktritt endlich wieder in die Turnierarena zurückkehrt. Letztes Jahr spielte er in Saint Louis im Chess Club and Scholastic Center ein Duell gegen seinen alten Widersacher Nigel Short über zwei Schnell- und acht Blitzpartien. Kasparow bezwang den Engländer, der ja noch schachlich aktiv ist, souverän mit 8,5 – 1,5. Dieses „Duell der Legenden“ (so der offizielle Titel der Veranstaltung) war ein großes Thema in sämtlichen Schachzeitschriften und zeigt einfach, wie stark der Name „Kasparow“ zieht.

Das Thema „Schachvermarktung“ war für Garri Kasparow schon immer wichtig. Fischer kritisiert er in seinem Werk „Meine berühmten Vorkämpfer“ dafür, dass er zu wenig für die Vermarktung seiner Sportart gemacht habe. Kasparow selbst legte sich mit der FIDE an, dieser Streit führte im Jahre 1993 zu einer Spaltung der Schachwelt. Auf der einen Seite gab es die FIDE, auf der anderen Seite die von Kasparow ins Leben gerufene PCA, welche separate WM-Kämpfe durchführte. Erst im Jahre 2006 wurden diese beiden Organisationen durch den „Vereinigungskampf“ Kramnik – Topalow wieder zusammengeführt. Auch heute noch ist Kasparow in Sachen Marketing aktiv. So gilt er als Initiator der Grand Chess Tour. Auf Youtube gibt es ein Interview, welches Jennifer Shahade letztes Jahr im Dezember während der London Chess Classics mit dem ehemaligen Champion führte.

In „Meine berühmten Vorkämpfer“ schrieb Kasparow Folgendes:

Außerdem wünsche ich mir, dass nicht nur Profis und interessierte Hobbyspieler mein Buch lesen werden, sondern auch all jene, denen es bisher noch nicht gelungen ist, eine Leidenschaft für dieses traditionsreiche, wahrhaft königliche Spiel zu entwickeln.

Garri Kasparow liegt also das Wohl des Schachspiels durchaus am Herzen. In Sachen Marketing tut er wirklich viel für das königliche Spiel. Allerdings wäre es wohl die beste Nachricht (auch bezogen auf Werbung/Marketing), wenn der 13. Schachweltmeister wieder dauerhaft in die Schacharena zurückkehren würde und nicht nur zu sporadischen Stippvisiten wie bei seinem „Duell der Legenden“ gegen Nigel Short im Vorjahr und bei seinen Gastauftritten in Super-GM-Turnieren als Analysepartner für die heutigen Cracks.

Zitat

Garri Kasparow, Meine großen Vorkämpfer, Band 1, Edition Olms, S. 12

Bildnachweise

http://www.amazon.de/Warum-wir-Putin-stoppen-m%C3%BCssen/dp/3421047278

http://de.chessbase.com/post/kasparov-wie-ein-orkan

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