26 Steine statt 64 Felder – Strategie mal anders

Vor zwei Wochen leitete ich das Schachprojekt am Max-Steenbeck-Gymnasium (kurz: MSG), welches immer im Rahmen einer schulinternen Projektwoche am Ende des Schuljahres stattfindet. Ich zeigte den Schülern aber nicht nur Eröffnungstricks, taktische Kniffe á la Morphy und Co. sowie strategische Elemente des Positionsspiels, sondern konnte auch selber etwas lernen: Das richtige Lösen des Rubik Cubes, der Zauberwürfel in der Version 3x3x3. Er wurde 1976 vom ungarischen Bauingenieur und Architekten Ernö Rubik erfunden. Der Würfel war ursprünglich vor allem für Rubiks Studenten gedacht, welche mit dem Lösen dieses Würfels ihr räumliches Denkvermögen trainieren sollten.

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Der Rubik Cube. Quelle: Wikipedia

 

Sicherlich kennt ihr alle diesen Würfel, welcher insgesamt aus 26 Steinen besteht. Aber könnt ihr ihn auch lösen? Nun, wenn man einen bestimmten Algorithmus verinnerlicht hat, ist das nicht so schwer, aber man muss ihn erst einmal kennen. Martin Bartram und Kenneth Meißner, zwei Schüler der zehnten Klasse am MSG, waren mir dahingehend sehr behilflich und zeigten mir die einzelnen Schritte, basierend auf diesem empfehlenswerten Youtube-Video. Ich habe zwar nicht gleich alles verstanden, aber nach dem individuellen Studieren des Videos konnte ich die einzelnen Schritte und Muster dann doch relativ schnell verinnerlichen. Kleiner Tipp für Lernende: Am Anfang einen Spickzettel mit eigenen Notizen und Wörtern anfertigen und ggf. benutzen, dann merkt sich der Algorithmus besser.

 

Faszinierend, wie man diesen zu Beginn so kompliziert erscheinenden Würfel mit 7 einfachen Schritten, die man zudem visualisierbar sind, relativ einfach lösen kann. Vergessen sind da all die vorherigen frustrierenden Versuche ohne merkliches System 🙂 Man sieht also: Strategie ist nicht nur beim Schach wichtig, sondern auch in anderen Dingen, die das Leben so mit sich bringt.

 

Wie schnell ich den Würfel löse, habe ich noch nicht gemessen. Ehrlich gesagt habe ich das aber auch nicht vor, denn dann würde mir glaube ich der Spaß verloren gehen, wenn ich mir dahingehend Stress mache. Daher ist es für mich umso interessanter, wie schnell denn nun die Cracks der Szene sind. Und siehe da: Der menschliche Weltrekord beim Lösen des Rubik-Cubes liegt bei sagenhaften 4,9 Sekunden, aufgestellt wurde er letztes Jahr im September vom US-Amerikaner Lucas Etter. Aber nicht nur Menschen versuchen sich am Zauberwürfel, nein, auch die künstliche Intelligenz hat dieses Feld längst für sich entdeckt. Und wie beim Schach die menschliche Intelligenz (weit) überflügelt. Der Roboter von Zackary Gromko löste am 15. Oktober 2015 den Zauberwürfel in 2,4 Sekunden, er brauchte also weniger als die Hälfte der Zeit, die Lucas Etter benötigte.

 

Gibt es noch andere Gemeinsamkeiten zwischen Schach und Rubik Cube? Auf jeden Fall ist für das Beherrschen beider Dinge intensives Training sowie mentale Fitness unter Wettkampfstress erforderlich. Notation und Züge sind zwei Begriffe, die nicht nur im Schach eine Rolle spielen, sondern auch beim Zauberwürfel. Hamburger-Move, Auto-Move, Fisch-Move, Telefon-Move … schaut einfach beim obigen Video nach 🙂

 

Aber sonst haben sich meiner Meinung nach die Gemeinsamkeiten erschöpft. Der Rubik Cube „ist ein mechanisches Geduldsspiel“ (Danke, Wikipedia!). Damit ist auch schon alles gesagt. Der Gegner beim Zauberwürfel ist also allein der Rubik Cube mit den Maßen 3x3x3. Mithilfe eines Systems, welches in jeder beliebigen Würfelstellung funktioniert, kann man ihn beherrschen. Beim königlichen Spiel hingegen muss man nicht nur die „mechanischen Figuren“ (sie ziehen immer gleich, von daher wählte ich diese Bezeichnung), sondern auch den Menschen hinter dem Brett beachten: Ein selbständiges Individuum mit eigenen Gedanken und Gefühlen, welche unseres tolles Spiel so wahnsinnig unberechenbar machen. Also alles andere als „in dieser Position klappt dieses und jenes“.

 

Trotzdem sollten wir den Rubik-Cube mit Respekt behandeln, schließlich basiert er auf einem ausgeklügelten System und bringt genauso wie das königliche Spiel viele Köpfe zum Glühen. Falls mal kein Schachbrett griffbereit liegt, das Smartphone kein Internet hat oder sonstige unvorhergesehene Dinge passieren, dann ist der analoge Zauberwürfel (auch gegen Stromausfälle immun!) eine tolle Alternative. Und auch für lange Zugfahrten oder als geistige Morgengymnastik eignet er sich hervorragend, das kann ich aus eigener Erfahrung berichten.

 

WWM
Der überglückliche Leon Windscheid nach dem Gewinn der Million mit Quizmaster Günther Jauch. Quelle: RTL / Stefan Gregorowius

Das königliche Spiel und der Zauberwürfel machen Menschen aber nicht nur glücklich und schlau, sondern können sie auch reich machen. Erfahren hat das letztes Jahr der Wirtschaftspsychologie-Student Leon Windscheid, der bei der beliebten RTL-Sendung „Wer wird Millionär?“ mit Quizmaster Günther Jauch nicht nur die Nerven der Zuschauer über drei Sendungen strapazierte, sondern auch die begehrte Million einheimste. Bei der 500000 €-Frage wurde er gefragt, für wen die Elo-Zahl von Bedeutung ist. Für uns Schachspieler ist diese Frage ein Witz (Spezialwissen zahlt sich eben doch manchmal aus :)). Aber auch der nichtschachspielende Kandidat konnte diese Frage mithilfe des Publikumsjokers beantworten.

 

Dann die 1000000 €-Frage: „Aus insgesamt wie vielen Steinchen besteht der klassische von Ernö Rubik erfundene Zauberwürfel?“ A: 22; B: 24; C: 26; D: 28.

 

Ihr wisst ja jetzt die Antwort, 26 Steine, also ist C richtig. Wie kommt man auf diese Lösung? Leon Windscheid litt sich die Antwort mithilfe von Günther Jauchs Händen her, man kann die Überlegung aber auch rationaler angehen.

Der Zauberwürfel hat acht Ecksteine, welche dreifarbig sind.

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Ecksteine des Rubik Cubes. Quelle: Wikipedia

 

 

 

Zudem hat er zwölf zweifarbige Kantensteine…

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Kantensteine Quelle: Wikipedia

 

 

 

 

… sowie sechs einfarbige Mittelsteine. 8+12+6 ergibt 26.

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Unbewegliche Mittelsteine inklusive des drehbaren Achsenkreuzes. Quelle: Wikipedia

 

 

 

 

 

 

 

Eine einfachere Herleitung ist diese: Die Maße 3x3x3 verleiten zu der Annahme, dass die Lösung 27 ist. Diese ist aber in den Antwortmöglichkeiten nicht gegeben. Also gibt es einen Haken. Der Würfel ist drehbar. Also muss in der Mitte des Würfels eine Einrichtung sein, welche das Drehen ermöglicht: Das Achsenkreuz. An dieser Stelle kann also kein Würfel sein. Daher lautet die Rechnung 27 – 1 = 26 und wir haben die richtige Lösung.

 

Klingt für eine Millionenfrage sehr einfach, oder? Das dachten auch zahlreiche Internet-User, in diversen Foren ging es in den Folgetagen hoch her bezüglich des Themas „War diese Frage für die Million zu einfach?“. Sei es wie es sei, der Kandidat hat 1000000 € gewonnen und ist dank Schach und Rubik Cube reich und glücklich.

 

Bleibt eigentlich nur noch eine Frage zu klären: Können eigentlich die Supergroßmeister wie Carlsen, Karjakin, Caruana und Co. den Zauberwürfel lösen? Leider haben meine Recherchen im Netz dazu keine Antwort ergeben. Wenn ihr es vielleicht besser wisst oder sogar ein Beweisfoto/-video habt, dann würde ich mich über eine Nachricht freuen.

Textnachweise

https://de.wikipedia.org/wiki/Zauberw%C3%BCrfel

Bildnachweise

http://www.rtl.de/cms/wer-wird-millionaer-leon-windscheid-raeumt-als-14-kandidat-die-million-ab-2578954.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Zauberw%C3%BCrfel

 

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